Berufung finden

Berufung finden: 5 Fragen, die dich zu dir führen

„Ich wünschte, das würde mir einfach vor die Füße fallen.“ Ich sehe mich noch in unserer Küche stehen, als ich diesen Satz zum ersten Mal laut gesagt habe. Mir war klar, dass ich etwas Eigenes machen will, und genauso klar war mir, dass ich absolut keine Ahnung hatte, was. Ich wollte meine Berufung finden, und ich hätte mir so sehr gewünscht, dass jemand vor mir steht und sagt: „Hey Leonore, lass uns das zusammen machen.“

Meine erste Idee war ein kleiner Lernladen für Spanisch und Englisch, mit Lesungen und Frauenkreisen. Ich bin mit einer ehemaligen Kollegin nach Halle, meine Studienstadt, gefahren, um mir ein Vorbild anzuschauen, und habe bereits dort gespürt, dass es das nicht so richtig ist. Dann kam Corona und die Idee verschwand vollends. Ich stand also wieder an dem gleichen Punkt und buchte mir mein erstes Human Design Reading, um rauszufinden, wer ich bin und was da noch so in mir steckt. Erst damit habe ich verstanden, warum der Lehrerjob mich so ausgelaugt hat, der Lernladen wohl nicht mein Weg war und welche Arbeit wirklich zu meiner Energie passt.

Wenn du gerade an diesem Punkt stehst, weißt du vermutlich schon, was du nicht mehr willst. Die Frage nach dem Wohin ist dagegen noch offen. Genau darum geht es in Phase 2 meines Leitfadens Berufliche Neuorientierung für Frauen: um Klarheit.

In diesem Beitrag hier zeige ich dir, worin sich Beruf, Berufung und Leidenschaft unterscheiden, mit welchen fünf Fragen du deiner Berufung ein Stück näher kommst und wie aus einem Gefühl eine konkrete Richtung wird.

Beruf, Berufung, Leidenschaft

Die drei Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, und das macht die Suche m.E. unnötig schwer. Wer glaubt, Berufung müsse sich anfühlen wie eine glühende Leidenschaft, übersieht leicht, was längst da ist.

Was es istDie Frage dahinter
BerufDie Tätigkeit, mit der du dein Geld verdienst, mit Ausbildung, Titel und Stellenbeschreibung.Was kann ich, und womit verdiene ich Geld?
LeidenschaftEtwas, das dich begeistert und dir Freude macht, oft unabhängig davon, ob es dich finanziell trägt.Was liebe ich zu tun?
BerufungDas, was du der Welt aus deinem Wesen heraus geben kannst und was sich stimmig anfühlt, weil es zu dir passt.Wofür bin ich hier, und wie wirke ich am natürlichsten?

Spannend ist, dass Beruf und Berufung ursprünglich dasselbe Wort waren: Martin Luther übersetzte mit „Beruf“ die göttliche Berufung, den Platz, an den ein Mensch gestellt ist. Warum daraus über die Jahrhunderte die Idee wurde, einen Beruf ein Leben lang auszuüben, beschreibe ich in Berufliche Neuorientierung mit 40.

Deine Berufung kann zu deinem Beruf werden, sie muss es aber nicht. Manche Frauen leben sie in einer Selbstständigkeit, andere in einer neuen Rolle bei ihrem bisherigen Arbeitgeber, wieder andere in einem Ehrenamt oder einem Herzensprojekt neben dem Job. Entscheidend ist, dass du sie erkennst und ihr Raum gibst.

Ikigai?

Wer sich mit der Frage beschäftigt, wie man seine Berufung finden kann, stößt früher oder später auf das Ikigai-Modell. Das bekannte Diagramm besteht aus vier Kreisen: was du liebst, was du gut kannst, was die Welt braucht und wofür du bezahlt werden kannst. Wo sich jeweils zwei Kreise überschneiden, entstehen Leidenschaft, Mission, Beruf und Berufung, und in der Mitte, wo sich alle vier treffen, liegt das Ikigai.

ikigai berufung finden

Spannend ist, wo die Berufung in diesem Modell steht: Sie ist dort nur die Schnittmenge aus „was die Welt braucht“ und „wofür du bezahlt wirst“, also ein recht nüchterner, wirtschaftlicher Teilbereich. Wenn ich von Berufung spreche, meine ich mehr, nämlich das, was du aus deinem Wesen heraus geben kannst und was sich durch und durch stimmig anfühlt. Das liegt viel näher an der Mitte des Modells als an einem seiner Ränder.

Übrigens ist das Diagramm in dieser Form eine westliche Weiterentwicklung. In Japan beschreibt Ikigai ursprünglich das, wofür es sich zu leben lohnt, oft im Kleinen und Alltäglichen und ganz unabhängig vom Beruf.

Als Denkanstoß ist das Ikigai trotzdem wertvoll, denn es hilft dir, deine Stärken, Werte und Möglichkeiten zu sortieren. Es beantwortet vor allem die Frage, was du tun könntest. Wie du arbeiten musst, damit es deiner Energie entspricht, und wie du stimmige Entscheidungen triffst, darüber sagt es nichts. Genau hier ergänzt dein Human Design Chart das Modell: mit deiner inneren Autorität, deinen definierten und offenen Zentren, deinen Stärken in Kanälen und Toren und deinem Inkarnationskreuz als Hinweis auf deine Lebensaufgabe.

Meine Lebensaufgabe erfahren

Berufung finden: 5 Fragen, die dich zu dir führen

Nimm dir für diese Fragen Zeit, am besten an mehreren Tagen. Schreib deine Antworten auf, ohne sie gleich zu bewerten. Oft zeigt sich der rote Faden erst, wenn du alles nebeneinander liest.

1. Wobei vergisst du die Zeit?

Denk an Momente, in denen du ganz in einer Sache aufgegangen bist und plötzlich überrascht warst, wie spät es schon ist. Das kann ein tiefes Gespräch sein, mit dem du einer anderen Person die Augen geöffnet hast, das Gestalten eines Raums oder auch das Analysieren und Lösen eines komplizierten Problems. Solche Momente zeigen dir, wo deine Energie ganz natürlich fließt.

2. Worum bitten dich andere immer wieder?

Kommen Freundinnen zu dir, wenn sie eine Entscheidung treffen müssen? Fragen Kolleginnen dich, wenn ein Text gut klingen soll oder ein Konflikt in der Luft liegt? Was andere immer wieder bei dir suchen, ist oft eine Gabe, die dir selbst gar nicht mehr auffällt. Wie du diese Stärken sichtbar machst, zeige ich dir in Eigene Stärken erkennen.

3. Wo hast du selbst am meisten gelernt?

Viele Frauen finden ihre Berufung genau dort, wo sie selbst einen herausfordernden Weg gegangen sind. Wer jahrelang überangepasst war, kann andere in ihre Selbstbestimmung begleiten. Wer eine Krise durchgestanden hat, weiß, was in einer Krise wirklich hilft. Im Human Design steht Chiron für genau dieses Thema: die Wunde, aus der eine besondere Kraft wachsen kann.

4. Was berührt oder empört dich in der Welt?

Worüber kannst du dich aufregen, wo spürst du sofort, dass etwas nicht stimmt, und was rührt dich zu Tränen? Deine Empörung und dein Mitgefühl zeigen dir, welche Werte dir wirklich wichtig sind, und Berufung hat sehr viel mit gelebten Werten zu tun.

5. Was sagt dein Körper, wenn du dir eine Möglichkeit vorstellst?

Stell dir eine Idee ganz konkret vor: Wie ist dein Arbeitsalltag, deine KundInnen, dein Raum. Wird es weit in deiner Brust, kribbelt es im Bauch, oder zieht sich etwas zusammen? Dein Verstand kennt alle Argumente, dein Körper kennt die Antwort oft schneller. Im Human Design zeigt dir deine innere Autorität, auf welche Körpersignale du dich bei Entscheidungen verlassen kannst.

„Hoffentlich fällt mir bald irgendwas vor die Füße.“ Kommt dir dieser Satz bekannt vor? Dann steckst du vielleicht gerade in der Phase, in der dein Kokon aufbricht. Du weißt, dass es so nicht weitergeht, aber draußen liegt noch Nebel. Mit meinem kostenlosen Kokon-Check findest du in zehn kurzen Fragen heraus, wo du gerade stehst. Wird dein Kokon langsam eng, bricht er auf, verlässt du ihn gerade, oder bist du schon bereit zum Losfliegen? Deine persönliche Auswertung bekommst du direkt per E-Mail.

Warum sich Berufung oft „zu leicht“ anfühlt

Viele Frauen, die ihre Berufung finden wollen, laufen an ihr vorbei, weil sie sich zu leicht anfühlt. „Das kann doch jeder.“ „Dafür bezahlt mich doch niemand.“ „Das ist doch keine richtige Arbeit.“ Wir haben gelernt, dass nur zählt, was Mühe kostet. Ohne Fleiß kein Preis, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Was uns leichtfällt, nehmen wir deshalb kaum als Leistung wahr.

Dazu kommt: Was du besonders gut kannst, machst du schon so lange, dass es dir selbstverständlich erscheint. Du merkst gar nicht mehr, dass andere dafür viel mehr Kraft brauchen als du.

Human Design erklärt das sehr anschaulich. Deine definierten Zentren und Kanäle stehen für Energie, die dir konstant und zuverlässig zur Verfügung steht. Weil sie immer da ist, fällt sie dir kaum auf, und genau dort liegen oft deine größten Stärken. Ich selbst bin Projektorin mit einer starken intuitiven Kraft, und dass ich Menschen sehr schnell sehr tief erfasse, hielt ich lange für etwas, das alle können. Erst als ich verstanden habe, dass das zu meinem Design gehört, konnte ich es als Gabe annehmen und daraus meine Arbeit machen.

Wenn sich also etwas leicht und gleichzeitig sinnvoll anfühlt, lohnt es sich, genau hinzuschauen. Leichtigkeit ist oft ein Hinweis darauf, dass du in deiner Energie bist.

Vom Gefühl zur konkreten Richtung

Aus deinen Antworten auf die fünf Fragen entsteht meist erst einmal ein Gefühl, eine Ahnung, in welche Richtung es gehen könnte. Damit daraus ein greifbarer nächster Schritt wird, hilft dir diese Reihenfolge:

  1. Muster erkennen: Lies deine Antworten nebeneinander. Welche Themen, Tätigkeiten und Menschen tauchen immer wieder auf? Markiere, was dich berührt, wenn du es liest.
  2. Die Form finden: Überlege, in welcher Art und Weise du deine Berufung leben möchtest. Als Selbstständige, in einer neuen Rolle bei deinem Arbeitgeber, in einem anderen Arbeitsfeld oder erst einmal als Herzensprojekt neben dem Job?
  3. In deine Chart schauen: Dein Human Design zeigt dir, welche Art zu arbeiten zu deiner Energie passt. Dazu gehören deine innere Autorität, deine definierten und offenen Zentren, deine Kanäle und Tore mit deinen Stärken und dein Inkarnationskreuz als Hinweis auf deine Lebensaufgabe. Mehr dazu liest du in Human Design und Beruf und in Deine Seelenaufgabe im Human Design.
  4. Im Kleinen ausprobieren: Ein Gespräch mit jemandem, der schon so arbeitet, ein erstes kleines Angebot, ein Workshop. Wie du nebenberuflich startest, ohne alles aufs Spiel zu setzen, beschreibe ich in Nebenberuflich selbstständig machen.
  5. Auf deinen Körper hören: Wie fühlt es sich an, wenn du es tust? Diese Erfahrung ist am Ende aussagekräftiger als jede Pro und Kontra-Liste.

Dein nächster Schritt

Deine Berufung zu finden, ist selten ein rationaler Prozess. Meistens ist es ein Weg, auf dem Schritt für Schritt das sichtbar wird, was du ohnehin schon in dir trägst. Manchmal braucht es dabei den klaren, intuitiven Blick von außen auf dein energetisches Design, um das zu erkennen, was für dich selbst zu leicht erscheint, als dass es wahr sein könnte.

Wenn du spürst, dass mein Ansatz mit Human Design, Körper- und Energiearbeit dich auf einer tiefen Ebene berührt hat und du bereit bist, deinen wahren Weg zu entschlüsseln, öffne ich gerne meinen Raum für dich.

In meinem exklusiven Mentoring Berufung by Design begleite ich dich intensiv dabei, deine Lebensaufgabe zu verkörpern und Blockaden zu lösen.

Wenn du das Gefühl hast, dass ich die richtige Mentorin für deinen Umbruch bin, lade ich dich ein, mir eine Nachricht zu schreiben. Wir nehmen uns die Zeit, um zu fühlen, ob die Energie zwischen uns für diese intensive Reise fließt.

Lass uns unverbindlich sprechen.


♡ Deine Leonore

Häufige Fragen – Berufung finden

Wie kann ich meine Berufung finden?

Hilfreich sind Fragen wie: Wobei vergisst du die Zeit? Worum bitten dich andere immer wieder? Wo hast du selbst am meisten gelernt? Was berührt dich in der Welt? Und was sagt dein Körper, wenn du dir eine Möglichkeit vorstellst? Aus den Antworten entstehen Muster, die dir eine Richtung zeigen.

Was ist der Unterschied zwischen Beruf und Berufung?

Dein Beruf ist die Tätigkeit, mit der du Geld verdienst. Deine Berufung ist das, was du aus deinem Wesen heraus geben kannst und was sich stimmig anfühlt. Im besten Fall verbinden sich beide, deine Berufung kann aber auch in einem Ehrenamt oder Herzensprojekt Raum finden.

Warum fällt es mir so schwer, meine Berufung zu finden?

Oft fühlt sich Berufung zu leicht an, um sie ernst zu nehmen, weil wir gelernt haben, dass nur zählt, was Mühe kostet. Außerdem fallen uns unsere größten Stärken kaum auf, weil sie für uns selbstverständlich sind.

Kann Human Design helfen, die eigene Berufung zu finden?

Ja, absolut. Deine Human Design Chart zeigt unter anderem deine innere Autorität für stimmige Entscheidungen, deine natürlichen Stärken in Kanälen und Toren, was dir Energie gibt und zieht, und über dein Inkarnationskreuz einen Hinweis auf deine Lebensaufgabe.

Muss meine Berufung mein Beruf werden?

Nein. Manche Frauen machen sich mit ihrer Berufung selbstständig, andere finden eine neue Rolle bei ihrem Arbeitgeber oder leben sie neben dem Job. Entscheidend ist, dass du ihr Raum gibst.

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